Private Fotos Viktor von Weizsäckers und seiner Famile

aus der Zeit von 1933 bis 1945

 

Der Nachlass Viktor von Weizsäckers enthält über 2000 Fotos, Negative, Glasplatten und sogar ein paar Dias. Sie befinden sich mittlerweile im Literaturarchiv in Marbach. Vor der Übergabe habe ich sämtliche Fotos und Negative abfotografiert, sowie digital gespeichert. Sie beginnen Anfang der 20er Jahre und enden relativ abrupt Anfang der 40er Jahre. Aus den 30er Jahren dagegen gibt es viele Fotos, die teilweise auch ein Schlaglicht auf die inneren Haltungen V. v. Weizsäckers und seiner Frau Olympia werfen. Insbesondere solche sind hier zu sehen.

Diese Fotos entstammen einer Reise, die Viktor und Olympia v. Weizsäcker im Mai/ Juni 1936 mit dem eigenen Auto in die Gegend um de Städte Neu-Titschein, Rosenberg, Eger (im heutigen Tschechien) und an den Rand der Hohen Tatra unternahmen. Dort begegneten sie offensichtlich Roma und nahmen mit ihnen Kontakt auf.

Diese Fotos lassen ein Gespür für das Besondere dieser Menschen, ihr spontanes Interesse an den Fremden, die  plötzlich in ihrer abgelegenen Welt auftauchten und die Unverfälschtheit ihrer Körpersprache erkennen. Ebenso offensichtlich ist das Bemühen des Fotographen dies möglichst authentisch wiederzugeben. Während ansonsten die meisten Fotos vermutlich von O. v. Weizsäcker erstellt wurden, stammen diese mit hoher Wahrscheinlichkeit von Viktor v. Weizsäcker. Olympia ist auf dem Foto in der Mitte rechts, umringt von den Roma-Kindern, zu sehen.

Noch heute leben in Tschechien Roma: Informationen zu  ihrer aktuellen Lebenssituation sind unter dem folgenden Link  nachzulesen. Ergänzend sei noch auf einen Video-Clip der tschechischen Roma-Musikerin Vera Bila hingewiesen.

Ein wichtiger Anstoß für diese Reise könnte darin bestanden haben, dass nur etwa 15 km von Novy Jicin (Neu-Titschein, in dessen Gegend diese Fotos vermutlich entstanden sind) entfernt Pribor (Freiberg in Mähren), also der Ort liegt, in dem S. Freud geboren wurde. Diese Gegend im Nordosten Mährens, an der Grenze zu Oberschlesien gehört zum tschechisch-polnischen Grenzgebiet. Von hier aus sind es nur noch etwa 150 km bis Kattowitz und Lubliniec.

Das folgende Foto entstand 1933. Trotz derselben Thematik, der Begegnung mit dem Fremden, wirkt es - hinsichtlich der Situation, in der es aufgenommen wurde - völlig anders. Es vermittelt den Eindruck eines bewusst inszenierten Statements.

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03b Ol auf Parkbank nur für Fremde Detai

Olympia sitzt auf einer Bank mit der Aufschrift "Nur für Fremde" - als wolle sie damit ausdrücken, dass sie sich fremd im eigenen Land fühlte oder vielleicht, dass sie weiterhin bereit war, an der Seite der Fremden zu sitzen. Dieses Foto mag charakteristisch für Olympia und Viktor v. Weizsäcker sein. Sie lehnten den Nationalsozialismus innerlich ab, aber ihr Protest blieb eher symbolisch, unverfänglich, im Privaten geäußert und als Aussage nach außen nicht direkt erkennbar.